Von Zeitdritteln, behütetem Schlaf und einem rasenden Eber

Willkommen zur zweiten Folge von: Verbrechen und Leidenschaft.

Text: Christian Korte M.A., Rechtsanwalt und Sozialwissenschaftler, Mainz
Bild: Jacopo Negretti Palma, gen. Palma il Giovane (1544 – 1628), Venus und Adonis, um 1610

Hinweis: Die rechtlichen Bewertungen sind weder vollständig noch inhaltlich über fehlerhafte Subsumtionen und Wertungen erhaben, sie dienen allein dem Gedankenspiel und der Unterhaltung.

Der wunderschöne Jüngling Adonis hatte es wirklich nicht leicht, war er doch nicht nur der Geliebte der Venus, sondern auch gleich auch noch der der Persephone, was Jupiter als Gottvater einst zu dem wundersamen Richterspruch brachte, dass der junge Mann ein Drittel seiner Zeit mit Aphrodite, ein weiteres Drittel mit Persephone und das letzte Dritte frei für sich verwenden dürfe.

Nun, hier in diesem Werk ist er abgebildet als Bettgefährte der Venus, eine Szene zum Ende einer Liebesnacht, der Morgen graut bereits. Adonis noch schlafend, behütet und bewacht von Venus. Ob durch den Klang des Jagdhorns in Händen des Putten oder vom Tageslicht gestört sei dahingestellt, Adonis wird jedenfalls gleich erwachen und zur Jagd in den Wald eilen, Venus lässt ihn ziehen, nach den Überlieferungen in dem Wissen, dass er nicht lebend zurückkehren wird. Und so kommt es denn auch, rasend vor Eifersucht zerfleischt Mars in Gestalt eines riesigen Ebers den schönen Jäger, kaum trafen beide im Wald aufeinander. Musste sich Jupiter zumindest einmal der Förderung der Unzucht, der Kuppelei (mit)verantwortlich zeichnen, und wurde Promiskuität, der sexuelle Kontakt parallel mit mehreren Partnern, damals noch weniger als heute wohlgelitten, dürfte sich Mars zumindest des Totschlags strafbar gemacht haben, mit der Verwandlung als Eber vermutlich aber auch heimtückisch verhalten, durch das Zerfleischen „grausam“ agiert und aufgrund rasender

Eifersucht aus niedrigen Beweggründen gehandelt haben, was ihn gar als Mörder qualifizieren könnte. Da Venus von der realen Gefahr wusste, Adonis aber dennoch ohne Warnung ziehen ließ und seinen Tod mithin zumindest „billigend in Kauf nahm“, dürfte auch sie nicht straffrei bleiben.