Übersetzung / Translation Olga from Russia

Auf dem Bild aus dem 17. Jahrhundert „Eislaufen auf der Schelde bei Antwerpen“ von Louis de Caullery eröffnet sich, wie von einer kleinen Anhöhe aus, das Panorama eines breiten vereisten Flusses. Es ist mit Menschen übersät die unter dem Winterhimmel vor dem Hintergrund der turmreichen Silhouette einer eleganten Stadt Schlittschuh laufen.

Das Gemälde besticht vom ersten Augenblick an durch seine Räumlichkeit und Ferne. Geschickt verwendet der Meister mehrere Mittel, um Tiefenwahrnehmung zu erzeugen: Weiter vorne sind die Figuren größer, die Oberflächen deutlicher, die Figuren etwas weiter voneinander entfernt und klar erkennbar. Die horizontalen Schichten leiten den Blick kontinuierlich ins Bild hinein. Ich denke, dass der Betrachter keine Sekunde daran zweifelt, dass das Gemälde eine reale Szene wiedergibt.

Ungewöhnliche grün-blaue Farben, von Aquamarinblau bis zu gesättigtem Türkis in Kombination mit weißlich-cremefarbenen Abstufungen und goldenen Karamelltönen, erzeugen ein Gefühl von Frische und Frostigkeit eines sonnigen Wintertages. Seltene sind ziegelrote Farbtöne eingefügt, so z. B. in Form von Kleidung oder einer Fahne am Mast. Sie kontrastieren diesen atmosphärischen Effekt.

Vor allem aber fasziniert das Bild, meiner Meinung nach, durch seine Gemeinschaftlichkeit. Wir sehen viele Menschen unterschiedlichen Geschlechts, Alters und Standes. Es können Familien, Freunde, Kollegen, Verliebte oder nur zufällige Passanten sein … Sie reden, gehen, gleiten, lernen Schlittschuh laufen oder beobachten einfach jemanden. Es fühlt sich an, als wäre Antwerpen an diesem Tag völlig leer und alle Bewohner sind rausgegangen an die frische Luft, um sich in der Gesellschaft zu tummeln. Dieser gemeinschaftliche Zeitvertreib macht eine Masse bunter Gestalten zu einer verbundenen Gesellschaft und schafft eine gelassene Stimmung der Unbekümmertheit und Verbundenheit.

Im Allgemeinen bewirkt das Bild von Louis de Caullery aufgrund seiner Räumlichkeit, Atmosphäre und sozialen Dynamik einen erstaunlichen Effekt des Eintauchens in seine Welt, in der man zu einem teilnehmenden Beobachter außerhalb der Zeit wird. Es ist wie ein für eine Sekunde angehaltenes Bild einer malerischen Animation, die man lange betrachten kann, um immer wieder neue Details zu entdecken: Hier ist ein freudig springender Hund, dort ein galanter Kavalier und eine modebewusste Dame, und da – ein gestürzter Anfänger oder die losgelassenen Raser… Und im nächsten Moment beginnt sich das Ganze plötzlich zu bewegen, aufzubrausen, lebendig zu werden, nach Frost zu riechen und zum „Hier und Jetzt“ zu werden.

In the 17th century painting “Ice skating on the Scheldt near Antwerp” by Louis de Caullery, the panorama of a wide frozen river opens up as if observed from a small hill. It is packed with people skating under the winter sky. In the background, one can see the silhouette of an elegant city which has a large number of towers.

The painting conveys magnificently the feeling of space and distance. The master skilfully uses several means to create depth perception: the figures in the foreground are larger; the surfaces more distinct, the figures are spaced apart from each other and clearly recognizable. The horizontal layers continuously guide the gaze into the picture. I think that the observer does not doubt for a second that the painting is reproducing a real scene.

Unusual green-blue colours, from aquamarine blue to saturated turquoise in combination with whitish-cream shades and golden caramel tones, create the feeling of freshness and frostiness of a sunny winter day. These atmospheric colours are contrasted by sparse brick-red shades which are added, for example in the form of clothing or a flag on a pole.

In my opinion, its sense of communality is a big part of the fascination of this painting. We see many people of different gender, age and class. They can be families, friends, colleagues, lovers or just random passers-by … They talk, walk, glide, learn to skate or just look at other people. It feels as if Antwerp was completely empty that day and all the inhabitants went out into the fresh air to enjoy the company of others. This communal pastime turns a mass of colourful characters into a cohesive society and creates a serene mood of carefreeness and connectedness.

In general, Louis de Caullery’s painting, by virtue of its spatiality, atmosphere and social dynamism, has the amazing ability to immerse you in his world: you become a participating observer out of time. It is like an animated picture stopped. You can look at it for a long time and always discover new details: here is a joyfully jumping dog, there a gallant cavalier and a fashion-conscious lady, and there – a beginner has fallen and the experts are skating fast… And in the next moment, the whole thing suddenly begins to move, to flare up, to come alive, you can also smell the frost and the painting becomes the “here and now”.

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