Künstler*innen in der Zeit des Nationalsozialismus

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden vor allem Künstler jüdischer Herkunft mit Berufs- und Ausstellungsverbot belegt. Auch Kunstwerke, die nicht mit dem ideologisch geprägten Kunstverständnis des NS-Regimes konform gingen, wurden diffamiert und aus öffentlichen Sammlungen entfernt. Das betraf Werke von lebenden und bereits gestorbenen Künstlern gleichermaßen.

1937 fanden in München zwei große Ausstellungen statt, die bewusst einander gegenübergestellt wurden: Die „Große deutsche Kunstausstellung“, deren ausgestellte Werke der Kunstauffassung der Nazis entsprachen, sowie die Ausstellung „Entartete Kunst“, die Gemälde und Skulpturen nicht angepasster Künstler an den Pranger stellte. Im Vorfeld dazu wurden in einer „Säuberungsaktion“ in den Museen Beschlagnahmungen durchgeführt.

Lovis Corinth (Tapiau (Ostpreußen) 1858 – 1925 Zandvoort): Die Blendung Simsons, 1907, Öl/Leinwand

Auch das Spätwerk des 1925 gestorbenen Lovis Corinth wurde als entartet angesehen. Als nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten die Werke von Corinth ins Visier der Nazis gerieten, gehörte sein Gemälde „Die Blendung Simsons“ von 1907 jedoch noch nicht zu den konfiszierten Werken. Grund dafür war das frühe Entstehungsdatum 1907, denn erst die nach einem 1918 erlittenen Schlaganfall entstandenen Bilder wurden als „krankhafte und unverständliche Schmierereien“ angesehen. In der Folge wurden fast 300 Bilder von Corinth aus deutschen Museen entfernt.

Wilhelm Lehmbruck (Duisburg-Meiderich 1881 – 1919 Berlin): Große Kniende, 1911, Bronze

Wilhelm Lehmbruck war 1910 nach Paris übergesiedelt, wo 1911 die Skulptur „Große Kniende“  in mehreren Fassungen (Steinguss und Bronze) entstand und mit großen Ausstellungen gefeiert wurde. Doch bereits 1927 wurde ein öffentlich in Duisburg aufgestellter Bronzeguss der „Großen Knienden“ durch Vandalismus zerstört. Man sah in ihr einen Verstoß gegen die Sittlichkeit und „eine Beleidigung aller Frauen“. 1937 wurde dann ein Steinguss aus der Mannheimer Kunsthalle beschlagnahmt und in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt. Durch die Ausstellung auf der ersten Documenta in Kassel 1955 wurde das Werk rehabilitiert.

Emy Roeder (Würzburg 1890 – 1971 Mainz): Bildnis Hans Purrmann, 1950/51, Bronze

1933 hatte man drei Stillleben von Hans Purrmann, die im Sitzungszimmer des Regierungsgebäudes in Speyer hingen, mit Hakenkreuzfahnen überhängt. In einem Brief an den Pfarrer von Langenargen am Bodensee zeigte sich Purrmann tief betroffen über diese Maßnahme und die Entwicklung in Deutschland. 1935 ging er nach Florenz und übernahm dort die ehrenamtliche Leitung der privaten Künstlerstiftung Villa Romana.

Die Bildhauerin Emy Roeder ging 1936 ebenfalls nach Florenz und erhielt dort den Künstlerpreis der Villa Romana. Von Hans Purrmann erfuhr sie einem Brief, dass ihre Skulptur „die Schwangere“ 1937 aus der Kunsthalle in Karlsruhe beschlagnahmt worden war und in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt wurde. Daraufhin entschloss sie sich in der Emigration zu bleiben. Der Porträtkopf von Hans Purrmann ( zeugt von der Freundschaft beider Künstler.

In die Emigration ging auch Max Beckmann, der schon 1933 fristlos aus seiner Professur an der Städelschule in Frankfurt entlassen worden war. Als er 1937 die Rede Hitlers zur Eröffnung der „Großen Kunstausstellung“ im Radio hörte, wo Hitler von der „zersetzenden Kunstauffassung“ zeitgenössischer Künstler sprach und einen „Säuberungskrieg“ ankündigte, begab sich Beckmann bereits am nächsten Tag mit seiner Frau in das Amsterdamer Exil. Dort entstand 1945 das Gemälde „Vor dem Kostümfest“ mit dem er sich kritisch mit den Vorgängen in Deutschland auseinandersetzt.

Die beiden hier aus bildrechtlichen Gründen nicht gezeigten Werke von Purrmann und Beckmann sehen Sie in unserer Abteilung „Kunst des 20. Jahrhunderts“. Die „Blendung Simsons“ ist bis zum 01.06.20 in der Ausstellung „Impressionismus in Leipzig 1900 – 1914“ zu sehen und kehrt anschließend in unser Haus zurück.