Jupiter und Callisto: Von Arkadien, Täuschungen und brutaler Gewalt

Willkommen zur dritten Folge von: Verbrechen und Leidenschaft.

Text: Christian Korte M.A., Rechtsanwalt und Sozialwissenschaftler, Mainz
Bild: Umkreis des Pietro Liberi (1605 – 1687), Jupiter und Callisto

Hinweis: Die rechtlichen Bewertungen sind weder vollständig noch inhaltlich über fehlerhafte Subsumtionen und Wertungen erhaben, sie dienen allein dem Gedankenspiel und der Unterhaltung.

Eigentlich war Jupiter, der oberste der Götter, an diesem Tage nur in Arkadien unterwegs, um nach einem schweren Unwetter die Schäden in der Landschaft zu sichten und möglichst gleich zu beheben. Dass er dabei auf Callisto, auf ein wunderschönes Mädchen, Nymphe der Göttin Diana, traf, war Zufall, folgt man den überlieferten Schilderungen. Als die junge Frau sich „von Jagd und Mittagshitze erschöpft“ ausruhte, näherte sich Jupiter ihr in Gestalt der Diana und verwickelte die Jungfrau in ein unverfängliches Gespräch über die Jagd und die Jagdgründe, um dann – nah genug herangetreten – urplötzlich sie zu küssen und sein „wahres Gesicht“ zu zeigen: Er umfasste sie dergestalt, dass sie sich nicht mehr entwinden konnte und erzwang den Geschlechtsakt. Callisto wehrte sich so „ wie es einer Frau nur möglich ist“, konnte Jupiter aber letztlich nicht bezwingen und von seinem schändlichen Tun abbringen.

Auch wenn das vorliegende Bild durch des Künstlers Hand das Geschehen doch eher weichzeichnet, Jupiter in Frauengestalt „sich sanft nähernd“ abbildet, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass er letztlich das Überraschungsmoment nutzend sexuelle Handlungen an Callisto gegen deren Willen ausführte und sich mithin wohl unzweifelhaft der „Vergewaltigung“ strafbar gemacht hat, zur damaligen Zeit wohl in Tateinheit mit „Ehebruch“.

Doch nicht er wurde bestraft: Als sich die Schwangerschaft, eine unmittelbare Folge der Tat, nicht mehr verbergen ließ, verstieß die Göttin Diana Callisto aus ihrem Gefolge, und Juno, die Gattin des Jupiter, verwandelte entsprechend ihrer (nicht minder strafbaren) Drohungen mit einem empfindlichen Übel im Vorfeld, die Schöne in eine Bärin. Jupiter kann auch freilich nicht dadurch von dem Strafvorwurf freizeichnen, dass er viele Jahre später Callisto zur Hilfe eilte, als sie durch ihren jagenden Sohn unwissend getötet zu werden drohte und Jupiter sie gerade noch rechtzeitig in das Sternbild des „Großen Bären“ verwandelte. „Me too“ in antiker Reinform – das Ganze.