Internationaler Museumstag

Wer geht in Museen und warum, und – viel interessanter noch – wer geht nicht in Museen und warum? Wie erfahren die Museen davon und wie reagieren sie darauf? Und wie erfährt wiederum die Gesellschaft davon und wie reagiert sie darauf? Kleine Stadtgesellschaften, große nationale Gesellschaften?

Zwischen dem musealen und dem gesellschaftlichen Leben existiert ein diffiziles Wechselspiel. Seit 1978 begeht die ICOM (International Council of Museums) den Internationalen Museumstag, um öffentliche Aufmerksamkeit für die Rolle der Museen als Orte gesellschaftlicher Entwicklung zu wecken. Der Tag wird international immer am 18. Mai begangen und dabei ganz unterschiedlich bespielt. Das deutsche Komitee der ICOM hat sich entschieden, den Tag immer auf einen Sonntag zu legen und das Programm bei freiem Eintritt vorwiegend auf Familien auszurichten, wobei Beiträge aller Art willkommen sind. Der Schwerpunkt liegt auf dem Vermittlungsprogramm, also darauf, die Besucher mit den Inhalten des Museums durch persönliche Ansprache vertraut zu machen.

Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Museen „vor große Herausforderungen stellen“. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die bange Frage, ob und wie viele Menschen bemerken, dass ihnen die Museumsbesuche fehlen und wie sie damit umgehen. Denn nur fünf bis fünfzehn Prozent aller Deutschen besuchen regelmäßig Kultureinrichtungen, und Museen sind davon nur eine Sparte.

Der Tag steht jedes Jahr unter einem Motto, und das wirkt 2020 wie ein Wunsch:

Museum für alle – für Vielfalt und Inklusion.

Viele der etwa 2000 teilnehmenden Museen werden den Tag „geöffnet“ begehen können, allerdings nicht als den Familientag, zu dem sich die Veranstaltung in den zurückliegenden Jahren in Deutschland entwickelt hatte. 2020 werden nicht viele Besucher zur gleichen Zeit vor Ort sein können, und die Museen werden vielleicht sogar Besucher vertrösten müssen. Doch in der verringerten Besucherzahl in den Museen steckt die Chance, sich mit denen, die da sind, über ihre Erwartungen und Bedürfnisse auszutauschen. Das gleichzeitige Feuerwerk an digitalem Programm wird hoffentlich auch Personen anziehen, die Museumsbesuche bisher nicht im Repertoire ihrer Freizeitbeschäftigungen hatten. Hier sind die Museen gefragt, besucherorientiert, das heißt optisch lecker und inhaltlich gehaltvoll, dabei gut verdaulich, ihre vielen Aufgaben und Wirkbereiche vorzustellen. Die gesellschaftlichen Aufgaben verdienen dabei eine Diskussion, die jetzt, unter den Bedingungen der Corona-Pandemie, endlich Fahrt aufnehmen wird.