Faszination Jugendstil

Yasmine Zarouala aus Dijon studiert Philosophie und Germanistik im bilingualen Masterstudiengang an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und der Université de Bourgogne in Dijon. Während ihres Praktikums im Landesmuseum Mainz ist ihr Liebe zum Jugendstil neu entflammt:

„Es fällt mir schwer, mich nicht für den Art Nouveau zu interessieren. Diese künstlerische Bewegung fasziniert so sehr, wie sie uns inspirieren kann. Diese Erosion der Grenzen zwischen Handwerk und Kunst führt dazu, den Platz der Kunst in der Gesellschaft zu hinterfragen. Man wollte die Kunst in den Alltag integrieren und sie irgendwie für jeden zugänglich machen. Und das ist es, was mir besonders gefällt: Diese Vereinigung des Schönen und des Utilitaristischen. Das Handwerk wird in den Rang der „großen“ Kunst erhoben, von Hierarchie kann keine Rede mehr sein. Heutzutage scheint dies nicht sehr überraschend, da wir z. B. über Mode und Design als „angewandte Kunst“ sprechen. Aber damals war der Gedanke innovativ. Das Ergebnis waren Werke, die (der Idee nach) von jedem “benutzt” werden können. Die Fragen nach dem Wert und der Definition eines Kunstwerks generell wurden in dieser Epoche aufgeworfen und beschäftigen uns bis heute. Was ist nötig, damit ein Kunstwerk als solches anerkannt wird? Und muss es nützlich sein? Diese Aspekte werden auch heute noch begründet und umstritten diskutiert. Deshalb ist der Art Nouveau für mich alles andere als “altmodisch”. Aber wurden Gallés Vasen wirklich dazu benutzt, Blumen hineinzustellen? Sie waren Luxusprodukte, und natürlich konnte sich nicht jeder ein Glas aus der Glashütte der Gebrüder Daum leisten oder an den Weltausstellungen in Paris oder anderswo teilnehmen.

Dadurch wurde de facto die Schönheit, die von den Werken der künstlerischen Strömungen inspiriert wurde, eher für heilig erklärt und dem Alltagsleben entrückt. Hier besteht das Paradoxon.“