Fabeltier-Puzzle – anders geknetet

13 Denare, 14 Pfennige, 15 Gulden – was soll das? Gibt es einen Wechselkurs oder wo ist der Zusammenhang?! Diese Verknüpfung ist nicht (direkt) in der Geschichte der Händlerin Gisela zu finden, obwohl sie sich in Arithmetik (in Zahlentheorie) und in Logik sicherlich gut auskannte. Beide Wissenschaftsbereiche gehörten im Mittelalter den sogenannten „sieben freien Künsten“ an. Sie waren die Grundlage für den damaligen Vorgänger der weiterführenden Bildung. Dank Home Schooling sind diese Kenntnisse heute für uns alle zugänglich. In diesem Beitrag stellen wir unsere spielerische Variante des Unterrichtsstoffes vor.

Das Schiebepuzzle oder 15-er Puzzle oder Schiebefax ist ein Geduldsspiel, das vor ungefähr 130 Jahren in den USA erfunden worden ist: Man hat ein Quadrat aus einzelnen kleinen Quadraten vor sich und muss die Teile in die richtige Reihenfolge bringen. Dazu nimmt man zu Beginn eines der kleinen Teile weg. Nun darf immer nur der leere Platz besetzt werden, um andere Teile zu verschieben. Heute möchten wir euch eine Version in mittelalterlichem Outfit vorstellen: Unser Salzteig-Schiebepuzzle ist von Mainzer Fußbodenfliesen inspiriert.

Die Zutatenliste ist ziemlich kurz und die Bestandteile findest du sicherlich im Küchenschrank. Die Menge des Salzteigs kannst du selber bestimmen, wenn du der Faustregel folgst: 2 zu 1. (Bild 1)

  • 2-2,5 Tassen Weizenmehl, fein gemahlen
  • 1 Tasse Salz
  • 1 Tasse Wasser
  • 1 TL Pflanzenöl (unsere Empfehlung ist Sonnenblumen- oder Rapsöl)

In einer großen Schlüssel Mehl und Salz gut mischen, dann Wasser hinzufügen. Wenn der Teig nicht nur für das Schiebpuzzle, sondern auch für andere Knetprojekte benutzt wird, kann Pflanzenöl dazugegeben werden. Die rötliche Farbe haben wir mit Malpigmenten erreicht, die nachhaltige Variante kann mit Gewürzen, zum Beispiel mit Paprikapulver und/oder mit Kurkuma hergestellt werden. Ist der Teig zu bröckelig oder fühlt sich trocken an, solltest du 1-2 TL Pflanzenöl hinzufügen.

Jetzt werden wir unseren Salzteig gleich verwenden – sonst kann er in einer Tupperbox luftdicht aufbewahrt werden.

Ich rolle den Teig ungefähr 1 cm dick aus und ritze die ganze Löwenfigur samt Raster mit dem Modellierholz oder einem rundlichen Teelöffelstiel ein. Danach schneide ich die kleinen Quadrate mit einem Messer aus. Das große Quadrat hat eine Seitenlänge von 12 cm, die kleinen Einzelteile von 3 cm. Wenn du nicht ganz sicher mit scharfen Werkzeugen umgehen kannst, hole bitte Hilfe.

Im letzten Schritt müssen die Puzzle-Teile gebacken werden: Den Backofen auf 50 Grad einstellen und die Salzteiglinge ungefähr 2 Stunden lang vorbacken. Ab und zu die Backofentür einen Spalt breit öffnen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.

Backzeit ist gleich Lesezeit.

Wenn du dich für die echten Fliesen im Museum interessierst, kannst du die historischen Details hier erfahren. Diese Tonquadrate sind Teile eines unzerstört erhaltenen Fußbodens. Er wurde 1910 während Umbauarbeiten des damaligen Stadt-Theaters auf dem Gutenbergplatz gefunden. Das originale Muster wirkte nicht nur durch den Kontrast von roten und schwarzen Fliesen. In den waagerechten Reihen waren die Fliesen mit Löwen- und mit Vogelmotiven verziert; diese Reihen bildeten Quadrate. Die Quadrate waren rund um Kreissegmente und um Fliesen in Pflanzenformen verteilt. Selbstverständlich wurden sie im Mittelalter nicht einfach so nebeneinander gelegt, wie sie auf dem Foto zu sehen sind. Die Fugen waren geglättet und die Fliesen lagen in einem flachen Bett aus Mörtel, damit sie eine glatte Fläche ergaben.

Die ursprüngliche Größe des Fußbodenbelags und damit des ehemaligen Raumes ist leider nicht genau bekannt. Eine Größe von 4,60 m x 4 m, ungefähr 18 m2 ist belegt. Nur zum Vergleich: Laut statistischen Daten hatte im Jahr 2019 jede(r) in Deutschland eine durchschnittliche Pro-Kopf-Wohnfläche von 47 Quadratmeter. Ein Kinderzimmer hat eine Mindestgröße zwischen 10 und 12 Quadratmetern.

Der mit dem Fußboden verzierte Raum war wahrscheinlich nur einer unter den vielen Räumlichkeiten, Zimmern und Kammern im Haus des Dompropsts. Er war im Mittelalter und ist noch heute der gewählte Vorstand des Domkapitels. Damit hat er eine zentrale Rolle im römisch-katholischen Kirchenleben in Mainz inne. Schmuckfußböden waren eine echte Rarität und wurden nur von den wohlhabenden städtischen Familien bevorzugt. Sonst waren sie in Kirchen oder in anderen großen Räumen für Versammlungen zu finden.

Jetzt ist es aber höchste Zeit, die Backergebnisse im Ofen zu kontrollieren und den letzten Schritt zu machen. Die Temperatur auf ungefähr 120 Grad erhöhen und das Puzzlespiel 1 Stunde lang backen. Pass aber auf: Je höher die Temperatur, desto höher ist das Risiko, dass die Teile einen Riss bekommen. Je dicker die Puzzleteile sind, desto länger müssen sie gebacken werden.

Viel Spaß beim Modellieren und beim Spielen!

Idee, Text und Fotos: Krisztina Péro