Ein Bild mit Durchblick

Gewöhnlich malen Künstler ihre Bilder auf einem Leinenstoff, der im Nachhinein auf einen Rahmen gespannt und von der Vorderseite präsentiert wird. Sigmar Polke malte dagegen auf grüner transparenter Kunstseide. In seinem Bild, das heute im Landesmuseum Mainz hängt, trug er rote, orangene und gelbe Farben auf der Rückseite auf. Der grüne Kunstseidenstoff veränderte die satten rot-gelb Töne in Braun und verlieh dem Farbauftrag einen schimmernden Effekt. Somit besteht der gesamte Bildhintergrund, auf dem die märchenhaften Wesen sich ausbreiten, aus den Farbklecksen, die auf der Rückseite des Gemäldes aufgetragen wurden.

DIY

Sigmar Polkes Spiel mit der Durchsichtigkeit kann auch im kleinen Format zu Hause weiter geführt werden. Dafür brauchen wir nicht mal transparente Kunstseide.

Materialien:
– Blatt weißes Papier
– Schwarzer Filzstift
– Oliven- oder Sonnenblumenöl
– Pinsel (um Öl aufzutragen und zum Malen)
– Wasserfarbe (Deckfarbe oder Gouache)

Am besten eignet sich ein dünnes weißes Papierblatt aus dem Drucker.

Zum Experimentieren könnten ebenfalls bunte Papier-Blätter verwendet werden, dann ist das Spiel mit der Farbveränderung noch spannender. Hauptsache das Papier ist nicht zu dick.

     

Zum Motiv werden Pflanzen vom Fensterbrett. Sucht euch Pflanzenblätter aus mit stark ausgeprägten Blattadern, wie Bananen- oder Monsterablätter, und zeichnet sie auf eurer Papier.  

Nachdem die Zeichnung fertig ist, füllen wir etwas Olivenöl in eine Schüssel um nehmen einen breiten Pinsel.

    

Mit dem Pinsel tragen wir Öl auf dem gesamten Blatt auf. Damit sorgen wir dafür, dass unser Bildgrund durchsichtig und schimmernd wird. Mit einem Küchentuch nimmt man das überschüssige Öl weg, so dass ein transparentes Blatt übrig bleibt.

    

Nun kommen Farben zum Einsatz! Im Grunde eignen sich alle Wasserfarben, wobei Deckfarben für mehr Farbintensität sorgen. Bei Aquarell wird die Farbigkeit dezenter.

      

Spart nicht mit der Farbe, tragt sie deckend auf!

   

Beobachtet den Lichteinfall auf die Blätter. Schattige Stellen erscheinen beinahe blau-grün und helle wirken bräunlich.

   

20 Minuten lassen wir das Bild trocknen, damit es keine Farbverläufe gibt.

betrachten anschließend das fertige Bild.

   

Die Blattseite, auf der wir die Farbe aufgetragen haben, wird zur Rückseite. Sie erstrahlt im satten Grün, das vom Ölauftrag intensiviert wird.

   

Die Vorderseite offenbart sich erst beim Umdrehen. Dadurch, das die Farbe von der Rückseite aufgetragen wurde, blieb die Blattader-Struktur nicht übermalt und behält ihren graphischen Charakter.

Die Farbigkeit hat sich vollkommen gewandelt, das satte Grün ist einem matten bläulichen Grünton gewichen und erscheint eleganter.