Die Jugendstilglas-Sammlung im Landesmuseum

Die Jugendstilsammlung des Landesmuseums Mainz wurde durch Ankäufe von Glasobjekten aus der Privatsammlung des Kunstsammlers Heinrich R. Gruber in den Jahren 1974, 1984 und 1989 bedeutend erweitert. Die Ausrichtung der ursprünglichen Sammlung Gruber auf die lothringischen Glasmanufakturen ermöglicht bis heute einen genauen Blick auf das Werk von

Émile Gallé (1846 – 1904) und seiner Zeitgenossen. Der in Nancy geborene Pionier der künstlerischen Gestaltung mit Glas, Keramik und Holz gehörte zu den herausragenden Vertretern des französischen Jugendstils, der als Art Nouveau bezeichnet wird. Émile Gallé beschäftigte sich mit Naturwissenschaften und moderner Technik, aber auch Philosophie, Literatur und Musik inspirierten den Mitbegründer der renommierten Schule von Nancy (gegr. 1901). Gallé erhob das Glas zu einer Kunstmaterie, indem er das Rohmaterial in mehreren Arbeitsschritten durch den Einsatz von Überfangglas, Ätzung und „Malerei zwischen den Glasschichten“ aufwendig veredeln ließ. Mit seinen völlig neuartigen Kreationen veränderte er die althergebrachte Wahrnehmung von Vasen und Schalen grundlegend. Gallé ließ sich von der Natur inspirieren und seine mit stilisierten Blüten, Pflanzen und Tieren geschmückten Glaskunstwerke setzten einen stilistischen Trend, der gerne und oft kopiert wurde.

Der Betrachter braucht einige Sekunden, um in der dunklen Farbmasse des Wassers die Umrisse der Fische zu entdecken. © GDKE / Landesmuseum Mainz

Die kompakte, dickwändige Vase aus dem Jahr 1889 gehörte zu 300 Objekten, die auf der Weltausstellung in Paris 1889 gezeigt wurden. Darauf weist auch die eingeschliffene Beschriftung auf dem Vasenboden hin: Emile Gallé Nancy Exposition 1889. Die Farbkomposition bestimmen hier opake Farbtöne, die unregelmäßig über die gesamte Oberfläche im Inneren und Äußeren des Gefäßes verteilt wurden und ein harmonisches Übergleiten vom Hellen ins Dunkle entfalten.

Das Material verbindet sich mit dem Motiv zu einer Erzählung über das vage bleibende, schimmernde Leben unter Wasser. Das Thema der Unterwasserwelten sowie die Eigenart der Flora und Fauna gehörten seit dem Beginn Gallés Karriere zu seinen wichtigsten Inspirationsquellen. Die häufigen Reisen und das Sammeln von Pflanzen belegen seine große Faszination für die Natur.