Das Hoffest von Friedrich Barbarossa…

….an Pfingsten 1184 in der Maaraue bei Mainz galt im Mittelalter als die größte Feier aller Zeiten!

Und wenn man sich dazu die Einzelheiten und Hintergründe mal genauer anschaut, dann ist dieses mittelalterliche Hoffest auch nach heutigen Maßstäben eine der größten Feiern aller Zeiten gewesen und ein Vorbild für viele neuzeitliche Kunstwerke.

Kaiser Friedrich Barbarossa befand sich Anfang der 1180er Jahre auf dem Höhepunkt seiner Macht. Seine Söhne Heinrich und Friedrich waren inzwischen zu jungen Männern herangewachsen und konnten somit zu Rittern erhoben werden. Daher bedurfte es eines prachtvollen Festes (Hoftag) zu Ehren der Söhne und zur Demonstration der Macht des staufischen Kaiserhauses

Alle Großen des Reichs nebst Gefolge und prächtiger Ausstattung begaben sich auf den Weg nach Mainz, um dann rechtzeitig zu Pfingsten vor Ort zu sein. Die Anzahl der Gäste wurde von den damaligen Teilnehmern und Berichterstattern mit 40.000 Rittern „ohne das andere Volk“ bis hin zu 70.000 Rittern beziffert. Dabei war es sehr wichtig für die Gäste eine „bella figura“ zu machen und durch besonders elegante und teure Ausstattung aufzufallen. Es gab auch eine Art von Wettbewerb, wer denn nun das schönste und teuerste Zelt als „Campingausrüstung“ mitbrachte.

Wie zu hohen kirchlichen Feiertagen und auch zu feierlichen Hoftagen üblich fand zunächst am Pfingstsonntag eine Messe zur Festkrönung des Kaisers statt, damit sich der Kaiser anschließend im Rahmen einer Prozession sowohl mit den Reichsinsignien (Krone, Zepter, Reichsapfel) als auch mit seiner Familie zeigen konnte, um seine Position als Herrscher nochmals zu betonen. An Pfingstmontag war es dann endlich so weit. Nach einer feierlichen Messe in der Kirche legte Vater Friedrich Barbarossa seinen beiden Söhnen Heinrich und Friedrich das Schwert um und beide Söhne leisteten den Rittereid (Schwertleite). Pfingstdienstag und auch die weiteren Tage der Woche waren wohl zur Abwicklung von Regierungsgeschäften geplant. Am darauffolgenden Wochenende sollte eigentlich in Ingelheim ein großes Ritterturnier mit 20.000 Teilnehmern stattfinden. Aber es kam alles anders als geplant. Gegen Abend des Pfingstdienstag kam von Westen ein schweres Unwetter auf, so dass die gesamte Feststadt auf der Maaraue zerstört wurde. Durch herumfliegende hölzerne Bauteile sollen damals 15 Menschen getötet und zahlreiche andere Personen verletzt worden sein.

Friedrich Barbarossa verstarb sechs Jahre später auf dem zweiten Kreuzzug, er ertrank im Fluss Saleph im Südosten der Türkei. Sein Sohn Friedrich verstarb ein Jahr später und sein Sohn Heinrich überlebte das Hoffest auch nur um 13 Jahre.

Trotz dieses unglücklichen Ausgangs des Hoffestes von Friedrich Barbarossa auf der Maaraue bei Mainz und des frühen Tods sämtlicher Protagonisten hat dieses Ereignis aufgrund seiner Bedeutung und seines Ausmaßes in den weiteren Jahrhunderten das Bewusstsein der Menschen und die Kunst der Zeiten beeinflusst.

Im Nibelungenlied diente das Hoffest Friedrich Barbarossas von 1184 als Vorbild für das verhängnisvolle Fest am Königshof Etzels.

1835 beauftragte der bayerische König Ludwig I. den Maler Julius Schnorr von Carolsfeld, drei Repräsentationsräume vor dem Thronsaal in seiner Münchener Residenz mit großen Wandbildern mit Szenen aus dem Leben der mittelalterlichen Kaiser und Könige auszumalen. Ziel dieser Ausmalung war es, dass die Besucher der Residenz als Betrachter der Wände stolz auf das deutsche Vaterland sein und die großen, tugendreichen Herrscher der Karolinger, Staufer und Habsburger bewundern sollten. Der größte der drei Repräsentationssäle war dem Stauferkaiser Friedrich Barbarossa gewidmet.

Der Maler Julius Schnorr von Carolsfeld zeichnete deshalb u. a. Entwürfe und auch eine Kartonvorlage für „Das Reichsfest in Mainz“ in der geplanten Originalgröße des Wandbilds von 5,88 x 6,25 m. Ein Problem bei der Anfertigung dieser Entwürfe bzw. Vorlage für das Wandbild war aber, dass Julius Schnorr von Carolsfeld nie selber in Mainz gewesen war und er sich somit die Örtlichkeit nicht richtig vorstellen konnte. Er nahm deshalb Kontakt mit dem Mainzer Maler Ludwig Lindenschmit d. Ä. auf, der ihm dann u. a. eine Stadtansicht von Mainz-Weisenau zur Verfügung stellte, damit eine realistische Darstellung der Umgebung vom Hoffest in das große Wandgemälde der königlichen Residenz übernommen werden konnte. 

Ludwig Lindenschmit d. Ä.: Stadtansicht von Mainz-Weisenau © GDKE RLP LMM, Ursula Rudischer

Die Wandmalereien in den Kaisersälen der königlichen Residenz waren damals so berühmt und beliebt, dass viele Kunstvereine großformatige Kupferstiche und Radierungen nach den Vorlagen von Julius Schnorr von Carolsfeld als Jahresgaben für ihre Mitglieder fertigen ließen. Damit wurde dann letztendlich der Hype um Friedrich Barbarossa und sein legendäres Hoffest von 1184 mitbegründet.

Die Kaisersäle der Münchner Residenz sind leider im Zweiten Weltkrieg vernichtet worden, die große Kartonvorlage und auch weitere Entwürfe für das Wandbild haben überlebt.

Auch sonst war das Hoffest immer wieder ein beliebtes Thema, beispielsweise wurde es in Schulbüchern als Illustration des Lebens Friedrichs Barbarossas thematisiert.

Als eine zeitgenössische Interpretation des Themas schuf Mitte der 1960er Jahre der Mainzer Prof. Heinz Müller-Olm ein Fries aus Sichtbeton an der Fachhochschule an der Rheinstraße in Mainz. 

 
Das Relief aus Sichtbeton von Prof. Heinz Müller-Olm © Foto: Katja Campe

In unmittelbarer Nähe zum Holztor befindet sich das etwa 10 m lange und etwa 2 m hohe dreiteilige Relief, an dem alle Mainzer sicherlich ganz oft vorbeigefahren sind. Es lohnt sich aber, dort mal anzuhalten und sich diese Interpretation des Themas in Ruhe mal anzuschauen. Zwischen den Abbildungen der Römer- und der Schwedenbrücke befindet sich die Darstellung des „Reichstag unter Kaiser Friedrich Barbarossa Pfingsten 1184“. In der Mitte der kantigen und abstrakten Personengruppe thront der erhöhte Kaiser mit Krone, Schwert und Reichsapfel. Daneben sind Ritter mit Wappenschildern und auch ein Bischof mit Mitra und Bischofsstab zu erkennen. Leider befindet sich dieses Relief heutzutage nicht mehr in einem optimalen Zustand. Doch das kann man ja ändern.

Autorin: Katja Campe

Darstellungen Barbarossas finden sich in der digitalen Sammlung des Städel-Museums, so von Julius Schnorr von Carolsfeld und dem lange in Mainz ansässigen Pilipp Veit. https://sammlung.staedelmuseum.de/de/person/friedrich-i-kaiser-des-heiligen-roemischen-reiches

Literatur: Anton Neugebauer, „Einer der glänzendsten Tage in der Geschichte Deutschlands“. Das Reichsfest von Mainz 1184 in Darstellungen des 19. Jahrhunderts, in: Mainzer Zeitschrift, 108, 2013, 89–111