Bacchus und Ariadne: Von Mischwesen, Eheversprechen und einem Sternenkranz

Willkommen zur fünften und letzten Folge von: Verbrechen und Leidenschaft.

Text: Christian Korte M.A., Rechtsanwalt und Sozialwissenschaftler, Mainz
Bild: Mercantonio Franceschini (1648 – 1729) zugeschrieben, Bacchus und Ariadne

Hinweis: Die rechtlichen Bewertungen sind weder vollständig noch inhaltlich über fehlerhafte Subsumtionen und Wertungen erhaben, sie dienen allein dem Gedankenspiel und der Unterhaltung.

Ariadne, Tochter des Königs von Kreta, traf zufällig gleich nach dessen Ankunft auf Kreta Theseus, den athenischen Königssohn, und verliebte sich sofort in ihn. Er gehörte einer „Delegation“ von sieben Jungfrauen und sieben Jünglingen an, die wie alle neun Jahre dem Minotaurus, jenem in einem Labyrinth gehaltenen blutdürstigen Mischwesen aus Mann und Stier, geopfert werden sollten. Es traf sich gut: Ariadne war nicht nur die Halbschwester des Minotaurus, ihr waren auch die Örtlichkeiten und Gefahrenlagen gut bekannt. Schnell erklärte sie sich bereit, Theseus zu unterstützen, das Ungeheuer zu bezwingen, im Gegenzug versprach er ihr nichts minder als die Ehe. Unter Zuhilfenahme eines Wollknäuels wurde im Ergebnis der Minotaurus erledigt. Ob dies als Mord, Totschlag, Notwehr oder was auch immer und/oder Beihilfe zu diesem zu werten war, mag an dieser Stelle dahinstehen. Die beiden fliehen jedenfalls bei Nacht und Nebel von der Insel und reisen gen Athen.

Ob während der Überfahrt Theseus Zweifel befielen, ob er Ariadne wirklich zur Frau nehmen sollte, und er daraufhin von seinem Eheversprechen zurücktrat, oder ob Ariadne bereits einer Gottheit als Ehefrau versprochen war, Theseus also gar nicht zum Zuge kommen

konnte, ist nicht so entscheidend. Bei einem Zwischenstopp auf der Insel Naxos trennten sich jedenfalls ihre Wege und Ariadne blieb allein zurück. Verlassen und schlafend wurde sie von Bacchus aufgefunden, der sich unmittelbar und unsterblich in sie verliebte und sich eiligst mit ihr vermählte. Als Brautgeschenk überreichte er seiner Liebsten eine Sternenkrone, die dann dereinst nach ihrem Tode ans Firmament geheftet wurde, sie selbst aufgenommen in den Olymp. Ein Gentlemen durch und durch, wenn auch dem Weine stets überaus zugetan, strafrechtlich hier völlig unauffällig.